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Humor in der freien Trauung – ohne, dass es peinlich wird

Humor in der freien Trauung

Wenn ich als Trauredner angefragt werde, dann wünschen sich die meisten Hochzeitspaare: Wir wollen auch lachen, eine lockere Rede, witzig statt kitschig, Anekdoten ohne peinliche Witze. Humor ist mittlerweile zu einem wichtigen Teil meiner Marke geworden – auch, weil ich mich selbst nicht so ernst nehme. Mein Credo: „Mit Witz und Würde. Ohne Kitsch.“

Humor hilft – die Dosis macht’s

„Witzischkeit kennt keine Grenzen“, singt Hape Kerkeling in der Persiflage „Kein Pardon“ (1993). Ein Kultfilm. Aber auf die Freie Trauung angewandt, kann ich nur sagen: Humor ist wie Salz in der Suppe: Die richtige Prise macht’s perfekt. Zu viel – und es wird ungenießbar. Zu wenig – und alles schmeckt fad.

Ich bin überzeugt: Humor kann eine Zeremonie auflockern, Nähe schaffen, Tränen trocknen und dafür sorgen, dass alle Gäste noch Jahre später schmunzelnd an diesen Moment zurückdenken.

Humor nimmt die Aufregung und lässt Hochzeitsgäste anerkennend sagen „Es war die erste Trauung, bei der wir uns nicht gelangweilt haben“, „Genau die richtige Balance aus Emotion und Humor“ oder „Es war lustig und trotzdem so tiefgehend.“

Das Ja-Wort ist eine ernste Sache – deswegen ist Humor unverzichtbar

In der Rhetorik gilt Humor nicht als bloßer Gag, sondern als kommunikatives Mittel, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, Sympathie aufzubauen, die Stimmung aufzulockern und gleichzeitig Kernaussagen zu transportieren. In der klassischen Rhetorik spricht man von der Funktion, nicht nur zu belehren (docere), zu überzeugen (persuadere), sondern auch zu unterhalten (delectare). Diese drei Wirkungen – informieren, bewegen, erfreuen – sind eng verknüpft. Genau das wollen wir in den Zeremonien transportieren. Gerade zu einer Hochzeit kommen Menschen, weil sie ein fröhliches Fest erwarten. Wir können zeigen, dass das nicht erst nach einer steifen Zeremonie beginnt, sondern sie schon bei der Freien Trauung mittendrin sind.

Humor in der freien Trauung - wie kommt der Humor in die Rede?

Das, was locker und frei rüberkommt, hat drei Komponenten: Erstens intensive Vorbereitung, um die Pointen dramaturgisch an der richtigen Stelle zu setzen. Zweitens Fingerspitzengefühl: Du musst Dein Hochzeitspaar gut kennen, um nicht in Fettnäpfchen zu treten, und ein Gefühl für die Gäste haben. Und drittens: Spontanität. Die besten Gags fallen mir in der Interaktion während der Zeremonie ein. Dabei ist unser größter Vorteil als Freie Redner, dass wir frei sprechen und damit auf die Hochzeitsgesellschaft reagieren können, Stimmungen auffangen können und im richtigen Moment eins draufsetzen.

Humor darf nicht albern oder unpassend wirken

1. Humor ist kein Witz
Über eines müssen wir uns bewusst sein: Eine Freie Trauung ist keine Comedy-Show. Niemand
möchte, dass der Trauredner oder die Traurednerin den Pausenclown gibt. Humor entsteht nicht
aus einstudierten Gags, sondern aus echten Momenten: einer charmanten Anekdote aus dem
Kennenlernen, einem kleinen Versprecher beim Antrag, einer liebevollen Eigenart, die alle kennen.
Das Geheimnis: Humor darf nie auf Kosten anderer gehen – aber immer von Herzen kommen.

2. Die Balance aus Lachen und Gefühl
Eine Trauung, bei der alle 45 Minuten lang ernst schauen, ist genauso unnatürlich wie eine, bei der die
Gäste sich ständig auf die Schenkel klopfen und den Bauch vor Lachflashs halten müssen. Die
schönsten Momente sind die, die beides verbinden: Wenn die Gäste erst lachen – und dann
gerührt nicken. Wenn Freudentränen fließen und zwischendrin geschmunzelt, gelächelt oder
herzhaft gelacht wird. Denn Liebe ist nie nur romantisch. Sie ist manchmal chaotisch,
unvernünftig, surreal und wunderbar schräg. Genau das darf in der Rede sichtbar werden.

3. Humor ist individuell
Was bei einem Paar großartig funktioniert, kann bei einem anderen völlig deplatziert wirken.
Deshalb ist das Vorgespräch so entscheidend. Manche Paare sind eher leise und herzlich –
andere laut, spontan und mit Hang zum Klamauk. Die Kunst ist, den richtigen Ton zu treffen und
ein Gespür vom Humor des Hochzeitspaares zu bekommen. Zwischen Flachwitz,
schwarzem Humor und Chuck-Norris-Facts liegen Welten.
Humor kann subtil oder deutlich sein, poetisch oder pointiert. Von Wortspielen in Form kleiner
sprachlichen Überraschungen zum Schmunzeln über bewusst gesetzter Kontraste, Selbstironie
oder das richtige Timing. Ja, manchmal genügt ein Blick oder eine bewusst ausgedehnte Pause –
und der Lacher findet seinen Weg durch die Reihen.

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Praxistipp: 5 Beispiele für Humor in deiner nächsten Zeremonie

1. Erwartungen kontrolliert brechen
Gerade noch romantisch, eine seriöse Erwartungshaltung wird aufgebaut, dann eine
überraschende charmante Wende ins Alltägliche. Und gleichzeitig steckt eine tiefergehende
Wahrheit darin. „Man sagt, der wichtigste Satz in einer Beziehung ist ‚Ich liebe dich.‘ Aber ganz
ehrlich: ‚Du hattest recht‘ wirkt manchmal noch stärker.“

2. Humorvoller Vergleich
Humor entsteht oft aus dem „Erwischt“-Moment, Dinge, die jeder nachvollziehen kann. Das
Publikum lacht aus Verständnis, nicht aus Schadenfreude. Aufbauen lässt sich das durch eine
poetische Bildwelt und mit einem Hauch Selbstironie, das ein Augenzwinkern auslöst. Eignet sich
gut, wenn es um Werte geht. „Liebe ist wie ein guter Garten: Wenn man ihn pflegt, blüht er – und
manchmal muss man auch Unkraut jäten, das man selbst gesät hat.“ Oder: „Liebe ist wie ein
gutes WLAN: Man sieht sie nicht, aber wenn sie weg ist, merkt man’s sofort.“

3. Humor als Spiegel – kleine Verhaltensmuster sichtbar machen
Liebevolle Ticks, kleine Verhaltensmuster und Alltagsdynamiken sind eine ideale Steilvorlage für
eine Pointe. Ohne, dass wir diese Muster bewerten, wir überspitzen sie nur. Doppelter Effekt: Die
Zuhörenden erkennen, dass wir das Hochzeitspaar en détail kennen, alle lachen, niemand fühlt
sich verletzt. Das klingt dann in etwa so: „Ihr habt zusammengefunden, weil ihr beide denselben
Wert teilt: Konflikte lösen durch Schweigen und Kaffee.“ oder „Ihr ergänzt euch fantastisch, auch
in der Kommunikation. Sie spricht, er schweigt.“

4. Humor als empathische Entschärfung von ernsten Themen
Manch einer klammert schwierige Themen in einer Zeremonie aus. Ich bin der Meinung, man kann
über (fast) alles reden, wenn es die richtige Tonalität hat. Humor funktioniert auch wie ein weicher
Teppich, auf dem schwere Dinge gepuffert werden. So bleibt das Schwere anerkannt, wirkt aber
nicht erdrückend. „Ihr habt schwierige Zeiten gemeinsam getragen. Das hat euch noch mehr
zusammengeschweißt. Und auch Tage, an denen Pierre dachte: ‚Ich fasse den Thermomix nie
wieder an.‘

5. Humor als spontaner Helfer bei Pannen
Geschieht etwas Ungeplantes, zeigt sich unsere wahre Stärke als Freie Redner. Statt Hilflosigkeit
können wir hier unser Talent als Redner mit Anker und Herz unter Beweis stellen. Stellt euch vor,
eine Brautjunger verheddert sich beim Einzug, kommt ins Straucheln. Dann greift ihr zum Mikrofon
und sagt: „So sieht echte Hingabe aus – voller Körpereinsatz für Tom und Alice. Beim Auszug am
Ende der Trauung haben wir noch glühende Kohlen für die Trauzeugen vorbereitet. Bleiben Sie
gespannt!“ Oder: „Seht ihr? Selbst der Weg zu euch ist heute dramatischer als jede Netflix-Serie.“

Und noch ein Beispiel: Was keiner hofft, aber passieren kann: Du hast einen Blackout. Das
Publikum schaut dich an, aber du hast den Faden verloren und musst dich erst mal sammeln. Ja,
der Griff zum Wasserglas hilft. Aber dann? Ganz getragen und voller überzogenem Ernst ein Satz:
„Bevor wir weitermachen: Falls sich jemand fragt, wie lange die Rede dauert – fragt nicht. Ich bin
selbst gespannt.“ Und schon hören euch alle noch aufmerksamer zu als zuvor.

Humor verbindet in allen Lebenslagen und Zeremonien

Lachen schafft Gemeinschaft. Es löst Anspannung, macht offen und warm. Wer miteinander lacht,
kann sich auch in ernsten Momenten in die Augen sehen. Das gilt im Leben wie in unseren
Zeremonien als Freier Redner.

Mit der richtigen rhetorischen Würze schaffen wir Zeremonien, die emotional, tiefgründig und
herzlich sind – und in denen gelacht werden darf. Nicht über die Liebe, sondern aus Liebe.
Mein Plädoyer: Traut euch! Humor in der Freien Trauung ist keine Technik, sondern eine Haltung.
Es geht nicht darum, Witze zu machen, sondern das Leben und die Liebe so zu zeigen, wie sie
sind: mit allen Ecken, Kanten, Überraschungen und Lachfalten.
Und genau deshalb sind Freie Trauungen die schönste Art, um Ja zu sagen, weil sie berühren
UND unterhalten. Es darf gelacht UND geweint werden. Und wehe einer sagt bei der Traufrage
NEIN!

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Auch bei allen anderen Zeremonien darf gelacht werden:
Beim Kinderwillkommensfest, bei der Jugendweihe und selbst bei Trauerfeiern, wenn wir einen
Menschen verabschieden, ihn ehren und würdigen. Die Trauergäste sind schon traurig genug.
Wenn wir sie durch das Leben des verstorbenen Menschen führen, können wir durch Kontraste,
Perspektivwechsel und Überraschungen sie erhellen und einen Aha-Moment auslösen – und für
Schmunzeln sorgen oder ihnen ein Lachen schenken an grauen Tragen. Humor hilft heilen – auch
und gerade in der Trauerphase.

Foto 1: Tobias Höhn

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