Drei Begriffe, die im Zusammenhang mit der Bestattung immer wieder auftauchen. Drei Begriffe, bei denen viele Familien vermutlich erst einmal denken: Klingt verschieden, ist aber vermutlich dasselbe. Wer beschäftigt sich schon gern mit Tod und Abschied? Auf letzte Frage gibt es eine ehrliche Antwort: Wir Freie Redner, wir Trauerredner, beschäftigen uns sehr genau damit. Weil wir der Überzeugung sind: Jeder Mensch hat eine gute Zeremonie verdient. Und wir haben dabei nicht nur den Verstorbenen im Blick, sondern genauso die An- und Zugehörigen, Familie, Freunde, Weggefährten. Und daher wollen wir nicht irgendeinen Abschied gestalten, sondern einen passenden.
Trauerfeier ist nicht gleich Trauerfeier
Lange bevor ich meine Ausbildung bei den Freien Rednern begann, habe ich für mich festgestellt. Trauerfeiern sind etwas Fürchterliches. Total gruselig. Alle in schwarz, alle traurig, viele haben den Blick gesenkt. Der Inbegriff eines Abgesangs auf einen Menschen. Oft sogar nur ein paar persönliche Worte, ansonsten alles streng nach Liturgie. Irgendwie austauschbar.
Auch das war für mich ein Grund, Trauerredner zu werden. Ich wollte es anders machen. Ich wollte erinnern – aber auch schöne Momente ins Gedächtnis rufen. Ich wollte den Menschen in die Mitte der Feier rücken. Auch in dem Bewusstsein, dass er zwar aus unserer Mitte gegangen ist, aber nicht aus unserem Leben. Weil er weiter lebt – unsichtbar in Erinnerungen. Weil er uns in so wichtigen Momenten Beistand leistet oder wir ihn im Stillen um Rat fragen oder schöne Erlebnisse mit ihm teilen. Ich frage mich selbst oft, was mein Opa jetzt wohl gemacht hätte. Dabei ist er schon neun Jahre tot. Aber er ist mir trotzdem nah.
Denn jede Trauerfeier ist so individuell wie der Mensch selbst. Einen möglichen Ablauf einer persönlichen Trauerfeier zeigen wir dir hier.
Als Trauerredner will ich das Leben feiern
Ich habe mir von Anfang an vorgenommen: Als Trauerredner will ich das Leben feiern. Da ist es nur konsequent, dass ich es Lebensfeier nenne. Erfunden habe ich den Begriff freilich nicht, er hat mich gefunden. Das war vor gut acht Jahren. Ich habe ihn anfangs zögerlich verwendet, dann offensiv. Auf meiner Website, in sozialen Medien, im Gespräch mit Bestattern und Familien.
Manche stutzen zunächst etwas, weil sie es noch nie gehört haben, aber noch nie hat es jemand abgelehnt.
In den zurückliegenden Monaten ist mir erstmals aufgefallen (vielleicht ist es auch dem Algorithmus geschuldet), dass der Begriff Lebensfeier inzwischen ziemlich inflationär verwendet wird. Verständlich, denn er klingt heller, freundlicher, moderner. Er nimmt dem Absoluten, dem Endgültigen sprachlich ein wenig die Schwere, ist gesellschaftskonformer, fast schon partylike.
Ein guter Freier Redner schafft genau diesen Spagat – zwischen Abschied und Würdigung des Lebens. Was bei einer Trauerfeier wichtig ist, erfährst Du hier.
Das Konzept Lebensfeier – alter Wein in neuen Schläuchen?
Aber nur weil etwas anders heißt, ist es nicht besser. Ist eine Lebensfeier nur eine Trauerfeier mit neuem Namen? Quasi ein Greenwashing des Todes? Ein Euphemismus? Wenn sich nur der Name geändert hat, ist das ein geschicktes Marketing. Nüchtern betrachtet aber alter Wein in neuen Schläuchen.
Ich halte nichts von schönen Etiketten (auch nicht beim Wein), für mich zählt der Inhalt! Was hilft eine sauber organisierte Feier, die nicht berührt? Eine Feier, die dem Protokoll entspricht, aber seltsam leer bleibt? Austauschbar. Eine Rede, die in Ordnung ist, aber den Menschen, um den es geht, nicht wirklich sichtbar macht, nicht in unsere Mitte rückt? Nein, solche Feiern möchte ich nicht machen.
Genau da beginnt für mich der Unterschied.
Lasst uns das Leben feiern, auch wenn der Anlass traurig ist
Ich habe mir den Begriff Lebensfeier nicht am Reißbrett ausgedacht. Ich habe ihn nicht gewählt, weil er gerade gut klingt oder weil er sich besser vermarkten lässt. Dieser Begriff ist mit mir und meiner Arbeit als Zertifizierter Freier Redner gewachsen. Durch die Art und Weise der Begleitung von Angehörigen – vom Gespräch bis zur Zeremonie. Er ist für mich die logische Konsequenz einer beruflichen Weiterentwicklung und Suche, weil ich mit dem Label Trauerfeier nie wirklich warmgeworden bin. Er gehört heute zu meinem Markenkern als Trauerredner, als Lebensredner.
Fragt euch selbst: Was ist der Mittelpunkt der Feier?
Aber beim weiteren Nachdenken wird uns schnell bewusst: Sie ist nicht das Zentrum der Feier, weil wir einen Menschen verabschieden, der so viel mehr war – egal, ob er lang oder kurz gelebt hat, uns nahe war. Der Mittelpunkt ist immer das Leben, sein Leben. Das Leben des Menschen, der da fehlt. Sein Wesen, seine Geschichte, seine Eigenheiten, seine Macken, seine Marotten, sein Humor, seine Handschrift. Das, was er liebt. Das, was andere an ihm lieben. Das, was bleibt. Nicht in der Vergangenheitsform, sondern im Präsens. Genau darüber spreche ich. Nicht über das Sterben als letzten Akt. Nicht über bloße Daten und Stationen. Nicht über einen Lebenslauf als Abfolge von Zahlen, sondern über das, was zwischen diesen Jahreszahlen passiert ist. Das Wie.
Gelungene Abschied helfen Familien
In Deutschland sterben pro Jahr rund eine Million Menschen; 2024 waren es laut Statistischem Bundesamt 1002741 Sterbefälle. Hinter jeder dieser Zahlen steht kein Fall, sondern eine Familie. Menschen, die nicht nur trauern, sondern innerhalb kürzester Zeit organisieren, entscheiden und funktionieren müssen. Und all diese Menschen freuen sich, wenn da ein Redner oder eine Rednerin kommt, die das Leben würdigt. Den Fakt des Abschieds nicht noch trauriger macht als er ohnehin schon ist. Sondern vor allem eines ist: echt.
Wer einen geliebten Menschen verliert, erwartet keine Show. Aber eben auch keine Hülle. Keine leeren Formeln. Keine Sätze, die auf jeden und niemanden passen. Angehörige erwarten zu Recht mehr als ein paar wohlklingende Worte zwischen Musikstück, Blumen und Beisetzung. Sie erwarten Orientierung in einem Ausnahmezustand.
Viele Familien fragen sich in diesem Zusammenhang auch, mit welchen Kosten sie bei einer Trauerfeier zu rechnen haben.
Menschen verdienen Würde und Nähe ohne künstlichen Pathos
Denn so ein Abschied ist für die wenigsten Menschen Routine. Viele stehen unter Schock. Andere funktionieren nur noch. Manche regeln alles und merken erst Wochen später, was eigentlich passiert ist. Wieder andere sind emotional so überflutet, dass schon die kleinste Entscheidung zu viel ist. Genau deshalb braucht es an diesem Tag jemanden, der Halt gibt, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Das sind wir Freie Rednerinnen und Freien Redner, wir Trauerredner.
Nach mehr als 500 Lebensfeiern bin ich überzeugt:
Menschen erwarten Würde — aber keine Steifheit. Sie erwarten Trost — aber keine Vertröstung. Sie erwarten Erinnerung — aber keine Aufzählung. Sie erwarten Nähe — aber keine Grenzüberschreitung. Sie wünschen sich einen ehrlichen Moment, in dem spürbar wird: Dieser Mensch war nicht irgendeiner von vielen. Und dieser Abschied ist nicht irgendein Termin im Kalender.
Deshalb reicht es eben nicht, einfach nur einen neuen Begriff zu benutzen. Wer von Lebensfeier spricht, sollte auch wirklich das Leben in den Mittelpunkt stellen. Der Ort ist dafür egal: Ob Trauerhalle oder der eigene Garten, Bowlingbahn oder Reitstall, Lieblingskneipe oder ein anderer
Platz mit Erinnerungswert.
„Bitte machen Sie es nicht zu traurig“
Ich erlebe immer wieder, dass Familien Angst davor haben, es könnte zu pathetisch werden. „Bitte machen Sie es nicht zu traurig“, ist einer der häufigsten Sätze, die ich im Vorgespräch höre. Ich verstehe das gut, denn da ist ohnehin schon Schmerz genug im Raum. Da braucht niemand noch zusätzlich einen Redeimpuls als Verstärker. Ich bin überzeugt: Eine gute Zeremonie öffnet den Raum für alle Emotionen. Sie darf Tränen zulassen, darf still sein. Aber sie sollte niemals trostlos sein, muss die Last nicht noch erhöhen.
Eine Lebensfeier ist der Rahmen, in dem Menschen zueinander finden und stilecht Abschied nehmen. Mit Tränen genauso wie mit Schmunzeln, mit Stille genauso wie mit dem hämmernden Bass von AC/DC, mit eigenen Redebeiträgen, selbst Gebasteltem, Erinnerungsstücken oder mit einer Audio-Aufnahme als letztem Gruß des Verstorbenen.
Diese Balance zu halten, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Erfahrung und einer umfangreichen Ausbildung bei Freie Redner.
Ohne starre Konventionen – seid ihr selbst
Erlaubt ist, was trägt. Nicht, was irgendeinem Idealbild von Trauer entspricht. Wenn ich eine Zeremonie zum Abschied eines geliebten Menschen – egal wie alt er ist – plane, dann gibt es einen zentralen Gedanken: Was hätte ihm gefallen und was tut den Angehörigen und Zugehörigen gut? Das ist die Matrix meiner Arbeit. Und wenn mich dann die Familie fragt, wie sie denn diese Zeremonie in der Trauerannonce ankündigen sollen, sage ich voller Überzeugung:
Lebensfeier. Meist nicken dann alle, weil sie spüren: Das ist kein hübscher „woker“ Begriff, sondern eine Haltung.
Fotos: Dr. Tobias D. Höhn, Thoralf Obst (Bild 3)



