Erinnerungsfeier | Trauerrednerin hält Ihre Rede

4 Gründe für eine Erinnerungsfeier

Von Tonia Heyckendorf 1. November 2022

Einige Monate nach dem Tod eines Menschen noch einmal feiern und gedenken. In einem individuellen, persönlichen Rahmen. Ganz bewusst, mit den Menschen, die einem wichtig sind. Diese Art Zeremonie nennt sich Erinnerungsfeier. Sie ist ungemein heilsam. Hier sind vier Gründe warum:

1. Entscheidungen fallen schwer

Der Moment, in dem wir einen Menschen verlieren, lässt uns in der Regel viel zu wenig Zeit, uns mit ausreichender Intensität mit unserer Trauer und dem anstehenden Abschied auseinander zu setzen. Viele Entscheidungen müssen von jetzt auf gleich getroffen werden: Organisieren von Abholung und Bestattung, Schalten der Traueranzeige, Organisation der Beisetzung und Trauerfeier und vieles mehr. Im Zustand des Schocks reichen die Zeit und die Kraftressourcen nicht aus, um sich mit den folgenden Fragen auseinander zu setzen: „Wie will ich den Abschied denn wirklich gestalten? Was ist mir wichtig? Was wäre tröstlich?“.

2. Aktives Erleben erst mit Abstand möglich

Der Verlust eines Menschen ist ein einschneidendes Erlebnis. Es erfordert Zeit, um zu begreifen, was eigentlich passiert ist. „Ich habe einfach nur noch funktioniert!“, das ist ein Satz, den wir oft von Angehörigen hören. Sie berichten, dass sie im Moment des Abschieds neben sich standen und die Trauerfeier gar nicht bewusst erlebt, sondern wie „hinter einem Schleier“ wahrgenommen haben. Dass sie sich nach all der Aufregung nur noch gewünscht hätten, dass sie den Tag der Trauerfeier und den Moment der Beisetzung einfach nur schnell hinter sich bringen. Denn erst dann, wenn es nichts mehr zu organisieren gibt, wenn Ruhe einkehrt, setzt die Bewältigung von Schmerz und Verlust ein.

3. Kraft und Trost durch Handeln

Die Erinnerungsfeier ermöglicht uns, mit Zeit und Abstand das nachzuholen, wozu wir kurz nach dem Tod noch nicht in der Lage waren. Ihr Zeitpunkt liegt in der Regel mit einem guten Abstand zum Todestag. Das kann der Geburtstag des/der Verstorbenen oder ein anderer Jahrestag sein. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich Angehörige oft schon in der Phase der Reflektion und sind in der Lage, Dankbarkeit zu empfinden. Sie haben wieder die Kraft, ins Tun zu kommen, können wieder Orte aufsuchen, die sie vielleicht gemieden haben, Fotos, Bücher oder andere Gegenstände in die Hand nehmen. Und sie sind emotional bereit, die aktive Erinnerungen als heilsamen Bestandteil von Trauer und Verarbeitung anzunehmen und daraus echten Trost zu schöpfen.

4. Absolute Gestaltungsfreiheit

Für die Erinnerungsfeier gibt es keine festen Vorgaben. Wir sind an keine Konventionen 

gebunden, sondern dürfen völlig frei nach Bauch entscheiden, was uns guttut. 

  • Teilnehmerkreis: Da kein Zeitdruck besteht, lässt sich die Erinnerungsfeier so planen, dass alle Menschen, denen der/die Verstorbene wichtig war, daran teilhaben können. Den Umfang bestimmen nur die Angehörigen.
  • Ort der Feier: Die Feier kann an jedem erdenklichen Ort stattfinden. Ob Streuobstwiese, eigenes Wohnzimmer oder Vereinsheim – im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen kann gefeiert werden, wo sich die Angehörigen wohl fühlen.
  • Uhrzeit: Anders als in der Trauerhalle ist man an keine festen Zeiten gebunden: Ein Erinnerungsfrühstück morgens um 10:00 Uhr funktioniert genauso wie die Kaffeetafel um 16:00 Uhr. Und das an jedem Tag der Woche! Die Beschränkung auf 25 bis 35 Minuten Kapellenzeit entfällt natürlich auch.
  • Auch der Gestaltungsrahmen ist völlig frei: Cocktailausschank oder lieber klassisches Klavierkonzert? Diashow oder Fotowand im Hintergrund, Lieblingsplaylist über die Musikanlage? Die Erinnerungsfeier darf genauso authentisch sein, wie der Mensch, für den sie gestaltet wird. Das darf sich in allen Facetten der Feier widerspiegeln – z.B. auch in der Dekoration! Eine Freie Rednerin oder Freier Redner kann dabei eine Rede halten, die all‘ die wunderbaren Wesenszüge Eures geliebten Menschen in den Mittelpunkt stellt. Durch das gemeinsame Zuhören und Erleben einer Rede wird die Erinnerung an so einen Tag noch einmal verstärkt.
  • Symbolische Handlung/Ritual: Das aktive Handeln und Gestalten birgt unheimlich viel Trost. Die Erinnerungsfeier ermächtigt uns, unserer kompletten Gefühlspalette Ausdruck zu verleihen: Ob Dankbarkeit, Einsamkeit, Wut, Freude, Scham – all das kann sich in dieser Feier manifestieren. Hier dürfen wir Gefühle auf die Reise schicken, die wir nun endlich loslassen können und Erinnerungen bestärken, die wir immer in unseren Herzen behalten möchten. Über geschriebene Worte, geteilte oder aktive gemalte Bilder, über gemeinsames Lachen und Weinen. Eine symbolische Handlung ist dabei eine schöne Möglichkeit, alle Anwesenden einzubinden und/oder ihnen ein Andenken mitzugeben. Und vielleicht ist auch jetzt der Moment gekommen, endlich selbst etwas zu sagen, wenn auf der Trauerfeier die Worte gefehlt haben?

Freie Redner*innen können eine Erinnerungsfeier optimal begleiten, denn sie erinnern in ihren Reden an die Persönlichkeit, das Leben und Wirken des oder der Verstorbenen, ganz ohne Pathos. Sie legen Wert auf einen authentischen, individuellen Abschied und sind offen für kreative Ideen. 

Drei Beispiele, wie man eine Erinnerungsfeier gestalten kann. 

Abschied am Wasser mit Flaschenpost

Der Verstorbene M. wurde im Rahmen einer Seebestattung im kleinen Kreis in Kiel beigesetzt. Nach einem halben Jahr trafen sich Familie und Freunde erneut in seiner süddeutschen Heimatstadt und haben eine Erinnerungsfeier gestaltet: 

Die Zeremonie fand unter einem Apfelbaum in Ufernähe des Rheins statt. Es wurden Seemannslieder gespielt, kleine Papierschiffchen in die Bäume gehängt und Grog ausgeschenkt. Nach einer abschließenden Rede ging die Gesellschaft ans Ufer des Flusses. Dort durften alle Anwesenden zu Musik Wünsche und Gedanken an den Verstorbenen M. auf Zettel schreiben. Die wurden in eine Flaschenpost gesteckt und dann in den Fluss geworfen, um später im Meer wieder auf die Asche des Verstorbenen zu treffen. 

Gartenparty mit Andenken-Wäscheleine

Zum ersten Todestag der Verstorbenen S. wurden alle Freunde zu einer Gartenparty in das Haus der Familie geladen. Jeder Gast wurde aufgefordert, von zuhause ein Foto oder einen kleinen Gegenstand mitbringen, der an S. erinnerte. Im Laufe des Abends durfte jeder Gast sein Mitbringsel präsentieren, eine Geschichte dazu erzählen und es anschließend auf einer Wäscheleine aufhängen, die durch den Garten gespannt worden war. Ein befreundeter Liedermacher hatte Lieder komponiert oder umgedichtet, die thematisch zu ihren Leidenschaften passten und humorvoll die Ecken und Kanten von S. beleuchteten, etwa ihre unglaubliche Schusseligkeit, mit der sie stets den Haustürschlüssel verlegte. Die Gäste konnten immer wieder in den folgenden Refrain einstimmen. Auf das Wort PROST wurden jeweils die Gläser mit ihrem Lieblingswein Merlot erhoben:

„Und sie sucht und sie sucht, doch sie findet ihn nicht und kann es einfach nicht verstehen. Doch im Leben ist es nicht das Finden das zählt, sondern der Weg und das ist doch ein Trost – PROST!“

Wanderung zum Gipfelkreuz

Für den Verstorbenen P., einem passionierten Outdoor-Fan, haben die Freunde zu einer gemeinsamen Erinnerungs-Wanderung zu einem Gipfelkreuz eingeladen. Am Parkplatz wurde in einem Waldstück eine Rede von einer Freien Rednerin gehalten. Dort durften sich alle in ein Wanderlogbuch eintragen. An drei Stationen wurde unterwegs Rast gemacht mit Vesper, Schnaps und Anekdoten, die nach der Rede in Erinnerung kamen. Am Gipfelkreuz ließ man dann gemeinsam Luftballons mit Grüßen an den Verstorbenen steigen. Die Ehefrau des P. sagte abschließend, sie hätte ihre Trauer regelrecht weggewandert. Sie fühle sich nach der langen Phase der Trauer so wie jetzt nach der Wanderung: „Richtig fertig, aber endlich entlastet und befreit.“

Eure Tonia Heyckendorf

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