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Die Freie Trauung für gleichgeschlechtliche Paare

By Martin Lieske 29. September 2020

Besonders für gleichgeschlechtliche Paare gilt die Freie Trauung schon immer als eine besonders passende Alternative zur kirchlichen Trauung. Es gilt keinerlei moralische Vorurteile zu überwinden, man muss keine Nachteile in Kauf nehmen, und muss sich nicht gesondert gegenüber Entscheidungsträgern erklären.

Es ist eine absolute Selbstverständlichkeit, dass der Trauredner die Liebe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern als völlig normal empfindet und behandelt.

Damit das in Zukunft seltener passiert, hier nun meine fünf Ratschläge.

Liebe kennt kein Geschlecht – die Freie Trauung auch nicht

1) Der Einzug auf einer gleichgeschlechtlichen Trauung

Der Einzug von 2 Frauen oder 2 Männern kann natürlich völlig frei gestaltet werden. Aber dennoch erlebe ich Unsicherheiten in Fragen wie: Wer wartet vorne? Wer zieht ein? Wer führt wen nach vorne?

Natürlich ist es zu allererst wichtig, dass Ihr Euch als Paar wohl fühlt. Das bedeutet immer Regel Nummer eins beachten: „Mach das genau so, wie Du Dich am wohlsten fühlst, wie Du wirklich Du sein kannst.“

Eine Variante erlebe ich sehr oft, ich persönlich favorisiere sie sogar:
Die Freie Trauung startet mit dem ersten Lied und der eine Partner zieht zu seinem eigens ausgewählten Lied ein. Er geht nach vorne bis zur ersten Reihe und dreht sich um. Das erste Lied endet. Direkt danach folgt das zweite Lied und nun kommt der andere Partner nach vorne. Beide treffen also vorne aufeinander und gehen danach gemeinsam zu ihren Stühlen.

Natürlich können beide PartnerInnen von einer oder auch mehrerer Personen ihrer Wahl nach vorne gebracht werden.
Mit dieser Variante fallen unangebrachte Fragen von vorne rein weg, wie: „Wer ist bei Euch der Mann und wartet vorne?“.

2) Nehmt keine Rücksicht

Zwei Bräute saßen bei mir im Vorgespräch und diskutierten miteinander, wer den Hosenanzug und wer das weiße Kleid anziehen sollte. Ich hörte interessiert zu und fragte sie dann, warum nicht jede einfach das trägt, worauf sie Lust hat?

Manchmal sind es auch die Paare selbst, die sich in die traditionellen Rollenbilder einfügen – weil sie es wollen. Das ist absolut in Ordnung. Gleichzeitig habt Ihr in der Freien Trauung die Möglichkeit alle Freiheiten auszunutzen und es zu genießen, Euch nicht an Regeln oder Bestimmungen Anderer halten zu müssen.

Am Ende ist entscheidend, dass jeder von Euch sich tatsächlich jede Sekunde in Eurer Freien Trauung wohlfühlt. Geht Euer Trauredner diesen Weg nicht mit, sucht Euch einen anderen.

3) Erklärung zu Mann und Frau

Natürlich gehört auf jeder Freie Trauung die klassische „Erklärung“ dazu. Aber genauso selbstverständlich kann Euch keiner zu „Mann und Frau“ erklären, wenn Ihr zwei Männer seid oder eben zwei Frauen.

Was sollte man also stattdessen sagen? Hiermit erkläre ich Euch zu Mann und Mann?
Das wäre die direkte Ableitung, hat aber aufgrund der fehlenden Tradition nicht die gleiche Aussagekraft. Ich empfehle hier 3 konkrete Varianten auf einer Freien Trauung:

  1. „Hiermit erkläre ich Euch, vor Euren Familien und Freunden zu EINEM Ehepaar“
  2. „Ich darf Euch nun vor Euren Familien und Freunden zu Ehefrau und Ehefrau erklären (oder Ehemann)“
  3. „Hiermit bestätige ich vor Euren Familien und Freunden Euren Bund der Ehe“

Die Erkärung auf einer gleichgeschlechtlichen Freien Trauung
Sprecht Eure Formulierungswünsche bei der „Erklärung“ einfach mit Eurer Rednerin im Vorfeld ab – so sind alle happy 🙂

4) Auch christliche Elemente sind auf einer gleichgeschlechtlichen Freien Trauung möglich!

Selbstverständlich kann die Freie Rednerin das gleichgeschlechtliche Paar durch ein Gebet segnen oder andere Elemente wie Lieder, Fürbitten oder Bibelverse einbauen.

Absolut entscheidend ist hier allerdings, dass Eure Traurednerin an das glaubt, was sie sagt und vielleicht auch singt. Ansonsten wird es unglaubwürdig und genau das wollt Ihr ja nicht zu Eurem Start in die Ehe.
Auf einer Trauung darf jeder, der selbst Christ ist, ein Segensgebet sprechen. Ich halte auch an dieser Stelle nichts von abgelesenen Texten, sondern bevorzuge immer ein persönliches, entspanntes und vor allem natürliches Gebet. Man darf mit Gott reden, wie mit einem Freund. Ganz normal.

Es gibt einige Freie Theologen, die Freie Trauungen mit und auch ohne christliche Elemente anbieten. Einige davon findet Ihr hier: www.freieredner.com.

Begrifflichkeiten auf Regenbogen-Trauungen

Darf man zu zwei Männern „Brautpaar“ sagen? 🤔
Wer trägt den „Brautstrauß“ und wer wirft ihn? 🤷‍♀️

Tatsächlich ist das Vokabular rund um die Hochzeit eher weiblich orientiert. Natürlich können wir von zwei „Bräutigamen“ sprechen, denn es ist grammatikalisch korrekt. Am Ende bleibt aber immer die Frage: Fühlen wir uns wohl damit? Klingt es für uns gut?

Ich habe noch kein reflektiertes gleichgeschlechtliches Paar erlebt, die lange überlegen mussten, wer den Strauß Blumen trägt. Sie wussten es. Sie kannten sich selbst und den Partner so gut, dass sie immer einen sehr guten Weg gefunden haben, damit sich beide wohlfühlen. Weist Euren Trauredner darauf hin, mit welchen Begriffen Ihr Euch wohlfühlt und mit welchen nicht. Denn es geht auf der Freien Trauung nur um eins: Um Eure individuelle und doch ganz normale Liebe!

Ich hoffe ich konnte einige gute Anregungen zu dem Thema gleichgeschlechtliche Trauungen geben. Hier findet Ihr noch Tipps rund um die gleichgeschlechtliche Trauung vor dem Standesamt:
Was gleichgeschlechtliche Paare vor der Hochzeit wissen sollten

Nun interessiert mich aber sehr Eure Meinung!

Was habt Ihr Gutes und Schlechtes auf gleichgeschlechtlichen Trauungen erlebt?
Was wäre Euch wichtig?
Worauf würdet ihr achten?

Ich bin gespannt.
Martin Lieske

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